Leben und Werk

Als letzter katholischer Bischof bestieg Julius Pflug 1547 den Naumburger Bischofsstuhl. Er gehörte jener Gelehrtengeneration an, die, im Herzen von einem tiefen, durch Erasmus von Rotterdam geprägten Humanismus erfüllt, in den Strudel des Reformationszeitalters gerissen wurde.

Wie Melanchthon, der sich im Unterschied zu Pflug den Lehren Martin Luthers anschloss und später dessen schweres Erbe antrat, sollte auch Pflug als Vertreter der katholischen Seite ab Ende der dreißiger Jahre des 16. Jahrhunderts zunehmend eine führende Rolle spielen. So war es Pflug, der als Hoffnungsträger beider Parteien in den vierziger Jahren maßgeblich für das Zustandekommen des Interims verantwortlich zeichnete. Doch blieb ihm der Lohn für sein Streben versagt, der auf einen Ausgleich zwischen den Konfessionen abzielte. Wie sein Gegenüber Melanchthon scheiterte er an den unüberbrückbaren politischen und kirchenpolitischen Differenzen seiner Zeit.

Von kleiner Statur und hager, entstammte der hochgebildete, in seinem Wesen eher zurückhaltende und zu Schwermut neigende Julius Pflug einer weitverzweigten und einflussreichen sächsischen Adelsfamilie. Geboren wurde er 1499 in der Nähe von Leipzig. Bereits früh stand fest, dass er Jurist werden und eine geistliche Laufbahn einschlagen sollte. Seine akademische Karriere begann 1510 mit seiner Immatrikulation in Leipzig. Von hier wechselte Pflug 1517 nach Italien, wo er sich bis 1529 wiederholt für längere Zeit aufhielt. In der Zwischenzeit erreichte ihn 1522 ein Ruf als Rat des Albertiners Herzog Georg des Bärtigen. Am Leipziger Oberhofgericht wirkte er von 1522 bis 1524. Parallel dazu trat er in ertragreiche geistliche Pfründen in Zeitz, Merseburg und Meißen ein, denen weitere Kanonikate in Naumburg und Mainz folgten. Zum Zeitzer Propst stieg er 1531 auf, zum Domdekan in Meißen 1537. Doch scheiterte zunächst der Versuch Georgs des Bärtigen, Pflug 1535 zum Merseburger Bischof zu machen.

Erst Anfang 1541 wählte das Naumburger Domkapitel Julius Pflug einstimmig zum neuen Bischof. Die Wahl nahm Pflug, der sich wegen der unsicheren politischen und kirchlichen Verhältnisse zunächst Bedenkzeit erbat, schließlich Anfang 1542 an. Doch dauerte es noch mehrere Jahre, bis er sich gegen seinen Gegenspieler, den auf Betreiben des sächsischen Kurfürsten Johann Friedrich von Martin Luther Ende 1541 zum evangelischen Bischof geweihten Theologen Nikolaus von Amsdorf durchsetzen konnte. Erst im Zuge des Schmalkaldischen Krieges gelang es ihm, sein Bistum in Besitz zu nehmen. Dem Naumburger Bistum stand Pflug, der auch weiterhin an kirchen- und reichspolitischen Fragen aktiv Anteil nahm, bis 1564 vor. Dazu gehörte auch seine reiche literarische Tätigkeit. Innerhalb des Bistums galten seine Hauptanstrengungen neben dem Versuch, den Einfluss des Protestantismus zurückzudrängen, der Reform des Klerus sowie der Reorganisation der kirchlichen Verwaltung.

Angesichts der politischen bzw. kirchenpolitischen Kräfteverhältnisse im Bistum bzw. im mitteldeutschen Raum blieben Pflug in seinen Jahren als Bischof durchschlagende Erfolge versagt. Das führte schließlich dazu, dass der Reformeifer, mit dem Pflug noch Ende der vierziger Jahre angetreten war, Ende der fünfziger Jahre zusehends erlahmte. Als letzter Naumburger Bischof verstarb Julius Pflug 1564 in Zeitz.