Europaweit einzigartige Bibliothek des 16. Jahrhunderts

Das Entstehen der Bibliothek und ihr Fortbestand bis heute ist auf Engste mit der Geschichte des alten Naumburger Bistums sowie des ehemaligen Hochstifts verbunden, das nach Einführung der Reformation als geistliches evangelisches Territorium unter Führung eines Domkapitels bis in das frühe 20. Jahrhundert fortbestand, um schließlich in eine Stiftung überführt zu werden.

Die als Zeitzer Stiftbibliothek heute institutionell unter einem Dach zusammengefassten Zeitzer Buchbestände setzen sich aus verschiedenen, ursprünglich eigenständigen Büchersammlungen zusammen. Es ist einmal die sich im Verlauf des 14. Jahrhunderts institutionalisierende bischöfliche Bibliothek mit ihren wertvollen Handschriften, Inkunabeldrucken und Drucken des frühen 16. Jahrhunderts. Parallel dazu bildete sich am Zeitzer Kollegiatstift St. Peter und Paul eine Institutsbibliothek heraus. Sie hat sich nahezu geschlossen erhalten und ist mit ihren 500 Handschriften und Druckausgaben des 14. bis frühen 16. Jahrhunderts im deutschen Sprachraum in dieser Form nahezu einzigartig.

Den mit Abstand bedeutendsten historischen Teilbestand stellt jedoch die Privatbibliothek des letzten, 1563 verstorbenen Naumburger Bischofs Julius Pflug dar. Julius Pflug darf mit Recht als der wohl bedeutendste Gegenspieler Martin Luthers bezeichnet werden. Er war einer der letzten katholischen Würdenträger im mitteldeutschen Raum. Seine bereits von den Zeitgenossen als bedeutend bezeichnete Bibliothek hinterließ er testamentarisch seinen Amtsnachfolgern in Zeitz. Mit knapp 1.200 Bänden gehört Pflugs einzigartige Bibliothek europaweit zu den wenigen Beispielen, in denen sich ein derartiger Bestand nahezu geschlossen am ursprünglichen Bibliotheksstandort erhalten hat.

Von größeren Verlusten in den letzten Jahrhunderten verschont, gehören heute knapp 400 mittelalterliche und 450 frühneuzeitliche Handschriften ebenso zum Bestand der auch in den sich anschließenden Jahrhunderten systematisch erweiterten Sammlung wie auch ungefähr 400 Inkunabeln und rund 30.000 Drucke des 16. bis 18. Jahrhunderts. Hervorzuheben ist die Geschlossenheit der historisch gewachsenen Bestände. Das gilt insbesondere für die Sammlungsteile mit Drucken des 16. und 17. Jahrhunderts. Im Falle der Drucke des 16. Jahrhunderts aus der Sammlung Pflugs werden sie um den reformationsgeschichtlich bedeutsamen schriftlichen Nachlass des letzten Naumburger Bischofs erweitert. Herausragende Stücke sind, um nur einige Beispiele hier folgen zu lassen, die Fragmente der Zeitzer Ostertafel aus dem 5. Jahrhundert, ein lateinisch-althochdeutsche Beichte des frühen 9. Jahrhundert oder die einzigartige Ptolemaeus-Handschrift von 1477 mit der Zeitzer Weltkarte. Besondere Erwähnung verdient auch die umfangreiche Kartensammlung des 17. und 18. Jahrhunderts.

Im Mai 2005 wurde die am alten Standort akut bedrohte Sammlung einschließlich ihrer Archivbestände nach umfangreichen baulichen Vorbereitungen geschlossen umgesetzt. Notwendig wurde dieser Schritt angesichts gravierender Versäumnisse in der jüngeren Zeit. Die politischen Verhältnisse der letzten acht Jahrzehnte hatten nicht nur dazu, dass die einzigartige Sammlung weitgehend in Vergessenheit geriet. Unzureichende klimatische und sicherheitstechnische Zustände am alten Bibliotheksstandort, denen bereits einzelne Bücher unwiederbringlich zum Opfer gefallen waren, bedrohten den Fortbestand des einzigartigen Bücherschatzes substantiell.

Aufstellung fand die Bibliothek in dem im 17. Jahrhundert errichteten Torhaus des Schlosses Moritzburg in Zeitz, deren historisches Ensemble die Sammlung seither abrundet. Hier hatte die Sammlung bereits im ausgehenden 17. Jahrhundert für kurze Zeit gestanden. Im Zuge der Vorbereitung der Landesgartenschau 2004 war das Gebäude aufwendig saniert worden. In Vorbereitung der Umsetzung der Bestände erfolgte der Einbau einer den aktuellen Standards entsprechenden Sicherheits- sowie Brandschutzanlage, wobei hier, was zur Installierung einer Inergen-Anlage führte, insbesondere den Erfahrungen des Brandes in Weimar Rechnung getragen wurde.