Michaeliskirche

Die Kirche St. Michael inmitten der Altstadt beeindruckt durch ihre weitgehend romanische Doppelturmfront im Westen. Heute bildet die zum Stiftsbesitz gehörige Hallenkirche den Mittelpunkt des evangelischen Lebens in Zeitz.

Seit der Gründung der Zeitzer Oberstadt im 12. Jahrhundert war die kunsthistorisch bedeutende Michaeliskirche die Pfarrkirche der Stadt. Urkundlich erwähnt wurde sie erstmals im Jahr 1154.

Ursprünglich war sie eine romanische Basilika mit kreuzförmigen Grundriss, wurde jedoch im 13. Jahrhundert frühgotisch und um 1450 spätgotisch umgestaltet. Erhalten sind noch Mauerteile der Turmfront, im Mittelschiff und den Querhausarmen, im Chorraum und in den Vierungspfeilern.

Um 1520 erbaute man an der Südseite eine Vorhalle mit spitzem Giebel und neuem Eingangsportal. Freskenreste sind noch im Netzgewölbe zu sehen.

Im 17. Jahrhundert erfuhren die Türme eine Umgestaltung. Nach einem Brand im Südturm 1650, wurde auf Abordnung von Herzog Moritz der Nordturm ebenfalls abgetragen und 1670 durch einen hohen Mittelturm mit zwei seitlichen kleineren Türmen ersetzt.

Im 19. Jahrhundert wurde die Ausstattung des Innenraums zum großen Teil beseitigt und die alten Holzziegel des Daches durch Schieferplatten ausgetauscht. Außerdem fügte man der Süd- und Nordseite des Daches jeweils zwei Zwerchgiebel in gotischen Stil hinzu. Die Turmfront erhielt zur Stabilisierung an der Süd- und Westecke starke Stützpfeiler, in der Mitte einen spitzgiebligen Vorbau sowie rechts und links daneben eine vorgebaute Mauer.

Versammlungsraum für Zeitzer Bürger

Aber die Michaeliskirche diente nicht nur als Gotteshaus, sondern auch als Versammlungsraum für die Zeitzer Bürger, für Versteigerungen, Steuerschätzungen und andere öffentliche Angelegenheiten.

Bedeutung erhält die Michaeliskirche u.a. in Zusammenhang mit der Reformation. In der wertvollen Bibliothek von St. Michael wurde 1882 ein außerordentlich seltener Plakatdruck der Lutherischen Thesen aus dem Jahr 1517 entdeckt.